Auf’n Kaffee

Dirk ist ein echtes Stadtkind – naja, so sehr, wie man im Sauerland eben Stadtkind sein kann. Im Herzen von Schmallenberg aufgewachsen, hatte er eine tolle Kindheit – mit Spielstraße, richtig viel Platz, jede Menge Freiheiten und irgendwo war immer etwas los. Nach der Ausbildung ging es zum Fachabi nach Soest. Es war die erste Gelegenheit, mal etwas rauszukommen und die ergriff er gerne. Von dort ging es weiter nach Schwerte, um zu studieren und um auch danach eine Weile dort zu bleiben. Nicht sehr weit weg von der Heimat – aber auch wenn er durchaus auch bereit gewesen wäre, einige Kilometer mehr zwischen sich und das Sauerland zu bringen, war es niemals eine bewusste Entscheidung, von zuhause wegzugehen. Wenn er wollte, konnte er jederzeit nach Hause kommen. Das Sauerland blieb immer seine Basis – und die seiner Freunde, sodass viele Kontakte über die Jahre trotz allem bestehen blieben.

Heute arbeitet Dirk als Kommunikationsdesigner in Gleidorf – und das seit inzwischen über zwanzig Jahren selbstständig. Bis auf einige wenige Jahre war sein Unternehmen immer in Schmallenberg gemeldet. Zwar war das Ruhrgebiet ein durchaus interessanter Standort, wo es leicht war, sich zu vernetzen und viele Gleichgesinnte direkt vor Ort waren, doch spätestens als das erste Mal der Gedanke an die Familienplanung aufkam, war klar, dass es zurück nach Schmallenberg gehen sollte. Dort wohnten Oma und Opa um die Ecke, mit dem Fahrrad war er in wenigen Minuten im Büro und dass man auch wunderbar von zuhause arbeiten kann, hat spätestens Corona gezeigt – sowieso sind Dirks Kunden in ganz Deutschland verteilt. Wieso dann also nicht die Vorteile nutzen, die das Sauerland zu bieten hat: Ruhe und Natur, Familie und Freunde und das Gefühl von Heimat.

Und Dirk ist nicht der einzige, der den Heimvorteil erkannt hat und zu schätzen weiß. Zusammen mit seinem Kollegen Andre hat er einen Podcast auf die Beine gestellt: Auf’n Kaffee. Eigentlich war es eher Zufall und Dirk weiß nicht mehr, wer von den beiden die Idee hatte. Es war Silvester und der eine meinte: Ein Podcast fehlt noch! – Welcher denn? – Na, unserer!

Ein paar Tage später stand das Konzept – das Ziel: Einen Podcast machen, den sie beide auch gerne hören würden. Dirk und Andre sprechen in ihrem Podcast mit Gründern aus dem Sauerland, aber auch darüber hinaus, die tolle Projekte auf die Beine stellen, aber noch nicht genügend Reichweite haben. Und das soll sich ändern.

Eigentlich ist es nur ein Just-for-Fun-Projekt, sie verdienen kein Geld damit, aber man wird sehen, wohin sie ihr Weg führt. Und es sind nicht nur die Menschen aus der Region, die den Podcast hören. Es sind auch Menschen, die weggegangen sind aus dem Sauerland, sich dafür interessieren, was in ihrer Heimat passiert und sich freuen, wenn sie merken, dass sich etwas tut.

Und das ist Dirk besonders wichtig: Es gibt viele tolle, junge Menschen, die das Sauerland für sich gerade ganz neu entdecken und etwas bewegen, die Vorbild für andere sein können. Denn der Lebensweg vieler junger Menschen, die gerne im Sauerland bleiben wollen, ist doch oft sehr starr vorgegeben: Ausbildung, vielleicht ein Meister, ganz eventuell ein anschließendes Studium, ein sicheres Angestelltenverhältnis, Partner oder Partnerin, Haus, Kinder – Schützenkönig. Dass es darüber hinaus so viel mehr Möglichkeiten gibt, sich zu entfalten, wird zu wenig vorgelebt und müsste bereits in der Schulzeit – in und außerhalb der Schule – mehr gelehrt werden.

Dazu gehört aber noch eines: Mut. Und den möchte Dirk mit dem Podcast vermitteln. Die Menschen, mit denen er sich im Podcast unterhält, erzählen ihre Geschichten, die anders sind als die klassischen Lebenswege im Sauerland. Sich etwas trauen, einfach machen – so wie Dirk das auch mit dem Podcast macht. Das kostet Überwindung – aber was soll passieren, wenn es nicht funktioniert …? Am Ende interessiert es doch niemanden, wenn ein Projekt wieder eingestampft wird. Es ist wohl typisch im Sauerland, dass man alles direkt perfekt machen will – und es sich deswegen am Ende nicht traut. Wenn alle einfach das machen, was sie schon immer gemacht haben, dann wird sich nichts ändern, dann kommt man nicht weiter, wächst nicht mehr … und dann? Darüber möchte man nicht weiter nachdenken. Dirks Fazit: Nicht auf das hören, was die anderen sagen (könnten), sondern einfach durchziehen!

 

 

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