Aufgewachsen ist Pia in Thülen, einem kleinen, familiären Ort, wo man sich kennt und füreinander da ist. Die Nachbarschaft war wie eine große Familie: Immer war jemand da, der ein Auge auf die Kinder hatte. Pias Eltern erzählen heute noch, dass sie als Kind mehr Zeit bei den Nachbarn als zu Hause verbracht hat. Ein kommunikativer Mensch war sie eben schon immer. Es fehlte ihr an nichts: eine gute schulische Ausbildung, viele Hobbys, enge Freundschaften und ein stabiles Umfeld. Und trotzdem wurde im Jugendalter der Wunsch größer, nochmal etwas anderes kennenzulernen. Raus aus dem Sauerland, rein ins Unbekannte – eine neue Stadt, neue Menschen, neue Eindrücke.
Nach dem Abitur war klar: Ein Studium sollte es sein. Schon immer hatte Pia eine Leidenschaft fürs Schreiben und Kreativität – ursprünglich wollte sie daher zum Radio. Durch eine gute Freundin wurde sie auf die Universität in Greifswald aufmerksam. An der Ostsee, nahe Stralsund, gab es einen Studiengang in Kommunikationswissenschaften und Germanistik. Die Zusage kam, und sie entschied sich, rund 700 Kilometer entfernt ein neues Kapitel zu beginnen. Greifswald war das komplette Gegenteil vom Sauerland: plattes Land statt Berge, die Ostsee statt Stauseen, eine andere Mentalität – und auch das Ost-West-Gefälle wurde ihr dort zum ersten Mal so richtig bewusst. Die Menschen waren oft noch verschlossener, als sie es aus ihrer Heimat kannte. Aber: Es gefiel ihr. Da sie nicht mal eben am Wochenende nach Hause fahren konnte, baute sie sich ein neues Umfeld auf. Und dort lernte sie neben neuen Freundinnen und Freunde auch ihren jetzigen Mann kennen.
Trotz der Entfernung blieb sie ihrer Heimat aber immer verbunden. Wenn es irgendwie ging, kam sie zum Schützenfest, Karneval oder zur Kirmes zurück nach Thülen. Diese Feste waren nicht nur für Pia ein fester Termin, denn viele, die fürs Studium oder die Ausbildung weggezogen waren, kamen dann zurück. Auch ihrem Mann konnte sie so vom Sauerland überzeugen, ein bis fünf Bier und nette Leute, mehr braucht es ja auch gar nicht, oder? Und er musste feststellen: In Thülen ist tatsächlich mehr los als in seiner Heimat in Sachsen-Anhalt.
Irgendwann neigte sich das Studium dem Ende zu und Pia musste sich die Frage stellen: Wohin jetzt? Für Pia war klar, dass sie zurück ins Sauerland wollte. Der Wunsch nach ihrer vertrauten Heimat, den kurzen Wegen zu Freunden und Familie war groß – und ihr Mann war einverstanden. Er bekam eine Stelle in Winterberg als Lehrer. Doch dann kam Corona und brachte alle Pläne ein wenig durcheinander. Die beiden zogen daher erst einmal für drei Monate wieder mit ins Elternhaus und verbrachten viel Zeit mit der Familie, bevor sie in die eigene Wohnung in Winterberg umziehen konnten. Auch Pias Schwester kam vorzeitig aus ihrem Auslandsjahr zurück. Trotz Lockdown war also privat jede Menge los. Beruflich allerdings sah es schwieriger aus. Viele Unternehmen waren vorsichtig mit Neueinstellungen, und so war das Angebot zunächst begrenzt. Pia schrieb ihre Bachelorarbeit und hielt die Augen offen. Ihre Mutter hörte sich um – und so wurde sie auf eine Stelle im Krankenhaus aufmerksam, im Bereich Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. Genau der Bereich, in den sie durch ein Praktikum in Greifswald hineingeschnuppert hatte. Es passte – und Pia ist bis heute dort.
Durch die Jahre in Greifswald hat sich Pias Perspektive auf das Sauerland verändert, nicht zuletzt auch durch ihren Mann, der das Sauerland ja zum ersten Mal richtig entdeckt. Gerade während der Lockdowns waren sie viel draußen unterwegs. Bei einem Ausflug Richtung Schmallenberg bei sonnigstem Frühlingswetter, während die Natur sich von ihrer besten Seite zeigte, sagte er: „Haben wir’s schön hier.“ Und recht hat er!
Neben der Ruhe und der Natur ist in und rund um Brilon aber auch immer etwas los: Musiksommer, „Brilon blüht auf“, das Altstadtfest, die Kirmes. Man kann mit Freunden und Familie rund ums Jahr etwas unternehmen. Ob gemütlich durch die Stadt bummeln, essen gehen oder mal einen Ausflug nach Paderborn, Dortmund oder Düsseldorf – die Anbindung ist da, aber die Lebensqualität vor der Haustür ist Pia mindestens genauso viel wert.
Mittlerweile sind Pia und ihr Mann richtig angekommen – zurück in Thülen, im eigenen Haus im Neubaugebiet, nah bei ihren Eltern. Und das nächste Abenteuer steht schon bevor: Im Oktober werden sie Eltern. Auch ihre Kinder sollen im Sauerland aufwachsen, umgeben von Familie und Freunden. Die letzten Jahre sind sie viel gereist, haben viele gesehen und andere Kulturen kennengelernt, das war schön, aber mindestens genauso schön war es immer, zurückzukommen in die neue und alte Heimat.

